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MPU wegen Cannabis: Was hat sich durch die Legalisierung geändert?

7 Min. Lesezeit Aktualisiert: April 2026

Seit April 2024 ist Cannabis in Deutschland teilweise legal. Erwachsene dürfen seitdem bis zu 25 Gramm in der Öffentlichkeit besitzen, bis zu 50 Gramm zu Hause lagern und bis zu drei Pflanzen zum Eigenanbau halten. In meiner Beratungspraxis erlebe ich seitdem häufiger eine gefährliche Fehleinschätzung: Viele glauben, die Legalisierung habe auch an der MPU etwas grundlegend verändert.

Das stimmt nur teilweise. Ja, es gibt einen neuen THC-Grenzwert. Aber wer glaubt, Cannabis und Autofahren seien jetzt kein Problem mehr, irrt sich erheblich.

Das Wichtigste vorab: Die Legalisierung von Cannabis ändert nichts daran, dass Fahren unter Einfluss verboten bleibt. Die MPU-Anforderungen bei Cannabis-Delikten sind nach wie vor anspruchsvoll.

Was hat sich konkret geändert?

Der bedeutendste Schritt im Straßenverkehrsrecht war die Anhebung des THC-Grenzwerts im Blutserum. Seit August 2024 gilt ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC pro Milliliter Blutserum. Davor lag dieser Wert bei 1,0 ng/ml, was so niedrig war, dass schon gelegentlicher Konsum Tage zuvor zu einer Ordnungswidrigkeit führen konnte.

Der neue Grenzwert soll akute Fahruntüchtigkeit besser abbilden. Das ist eine sachgerechtere Regelung.

Aber Vorsicht: Der Grenzwert gilt nur als untere Schwelle für eine Ordnungswidrigkeit. Wer mit mehr als 3,5 ng/ml THC im Blut fährt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Bei Mischkonsum mit Alkohol, bei Fahranfängern unter 21 Jahren oder bei wiederholten Auffälligkeiten gelten strengere Regeln. Und eine MPU kann auch dann angeordnet werden, wenn der Wert unter dem Grenzwert lag.

Wann wird bei Cannabis eine MPU angeordnet?

Eine MPU wird nicht automatisch angeordnet, weil jemand Cannabis konsumiert. Auslöser sind konkrete Hinweise auf eine Gefährdung im Straßenverkehr. Aus meiner Praxis heraus sind das vor allem folgende Situationen:

Was ist das Trennungsvermögen und warum ist es so wichtig?

Das Trennungsvermögen ist der zentrale Begriff bei der Cannabis-MPU. Es beschreibt die Fähigkeit, den Cannabiskonsum zuverlässig vom Fahren zu trennen. Also sicherzustellen, dass man nie unter dem Einfluss von THC ein Fahrzeug führt.

Bei gelegentlichem Konsum und nachgewiesenem Trennungsvermögen kann ein positives MPU-Gutachten auch ohne vollständige Abstinenz möglich sein. Das ist der entscheidende Unterschied zu Alkohol, wo bei festgestellter Abhängigkeit fast immer Abstinenz gefordert wird.

Aber: Gutachter prüfen das Trennungsvermögen sehr genau. Wer es nicht glaubhaft und konsistent belegen kann, hat es schwer. Die bloße Behauptung reicht nicht.

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Wann wird Abstinenz gefordert?

Nicht bei jedem Cannabis-Delikt wird vollständige Abstinenz verlangt. Ob Abstinenz erforderlich ist, hängt vom Konsummuster ab:

Konsummuster Typische Anforderung
Gelegentlicher Konsum, Trennungsvermögen glaubhaft Kein Abstinenznachweis zwingend, stabiles Trennungsverhalten belegen
Regelmäßiger Konsum ohne Abhängigkeit In der Regel 6 bis 12 Monate Abstinenz mit Laborwerten
Abhängigkeit (ICD-10 F12.2) 12 bis 15 Monate Abstinenz, teils Entwöhnungsbehandlung
Mischkonsum Cannabis und Alkohol Besonders strenge Anforderungen, Abstinenz von beiden Substanzen
Harte Drogen oder Polytoxikomanie Dauerhaft drogenfreier Lebensstil, 12 bis 15 Monate oder mehr

Was fragt der Gutachter bei der Cannabis-MPU?

Im Gutachtergespräch geht es nicht nur darum, ob man noch konsumiert. Gutachter wollen verstehen, welche Rolle Cannabis in Ihrem Leben gespielt hat und ob sich das zuverlässig geändert hat. Typische Fragen sind:

Wer diese Fragen nicht durchdacht hat, gibt oberflächliche oder widersprüchliche Antworten. Das fällt auf.

Die häufigsten Fehler bei der Cannabis-MPU

Aus meiner Praxis heraus erlebe ich immer wieder dieselben Muster:

Fazit: Die Legalisierung ändert nicht alles

Cannabis ist legal. Fahren unter Einfluss ist es nicht. Diese Trennung ist der Kern, um den es bei der Cannabis-MPU geht. Wer das versteht, verinnerlicht und glaubhaft belegen kann, hat gute Chancen.

Wer die Legalisierung als Freifahrtschein missdeutet oder seinen Konsum nicht ernsthaft reflektiert hat, wird bei der MPU scheitern, auch mit dem neuen Grenzwert.

Eva-Maria Merkel
Eva-Maria Merkel
Psychologin

Ich begleite Menschen seit über drei Jahren bei der Vorbereitung auf die MPU. Cannabis-Fälle nehmen in meiner Praxis seit der Legalisierung zu. Die häufigste Fehleinschätzung: dass legal gleich ungefährlich für die MPU bedeutet.