Die Begutachtung in der MPU folgt in Deutschland klaren fachlichen und wissenschaftlichen Standards. Grundlage aller verkehrspsychologischen Gutachten sind die Begutachtungskriterien zur Kraftfahreignung, die im Kirschbaum Verlag veröffentlicht werden und bundesweit verbindlich angewendet werden. Seit März 2026 gilt die 5. Auflage.
Diese Kriterien legen fest, welche Fragestellungen wie geprüft werden, welche Informationen berücksichtigt werden müssen und unter welchen Voraussetzungen eine positive oder negative Fahreignungsprognose gestellt werden kann. Verkehrspsychologinnen und Verkehrspsychologen orientieren sich bei der Begutachtung an diesen wissenschaftlich entwickelten Kriterien.
Auch die Erstellung des schriftlichen MPU-Gutachtens erfolgt nach festgelegten fachlichen Standards. Aufbau, Begründung und Bewertung müssen nachvollziehbar dokumentiert werden, sodass die Entscheidung transparent und überprüfbar ist.
Am 23. März 26 wurde mein Radiointerview bei SWR3 ausgestrahlt. Thema war ein alltägliches, aber psychologisch relevantes Phänomen: Warum Menschen im Straßenverkehr schnell emotional reagieren und weshalb Fluchen im Auto so verbreitet ist.
Im Straßenverkehr kommen mehrere Faktoren zusammen: Zeitdruck, die Erwartung, schnell ans Ziel zu gelangen und die eingeschränkte Kontrolle über die Verkehrssituation sowie das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer*innen. Diese Kombination begünstigt Frust. Wir haben im Auto auch keine direkte soziale Konsequenz unseres Fluchens zu erwarten. Schließlich würden wir die Dinge niemals jemandem direkt ins Gesicht sagen. Das macht uns mutig. Das Auto wirkt dazu als geschützter, anonymer Raum, in dem die Hemmschwelle sinkt, Emotionen ungefiltert auszudrücken. Gleichzeitig neigen viele dazu, das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer persönlich zu nehmen und deren Absichten zu überschätzen, obwohl meist keine gezielte Provokation vorliegt. Fluchen kann dabei kurzfristig entlastend wirken, solange es nicht in aggressives Verhalten übergeht.