Labortechnikerin analysiert eine Blutprobe für den CTU-Abstinenznachweis

CTU-Kriterien: So läuft ein Abstinenz-Kontrollprogramm wirklich ab

"CTU" steht für chemisch-toxikologische Untersuchung und ist damit nicht auf Urin beschränkt, auch wenn der Begriff das nahelegt. Die CTU-Kriterien legen fest, unter welchen Bedingungen Abstinenzkontrollen geplant, durchgeführt, analysiert und dokumentiert werden müssen, damit sie im Rahmen der Fahreignungsbegutachtung als verwertbarer Abstinenzbeleg berücksichtigt werden können. Je nach Substanz und Fragestellung zählen dazu Urin-, Haar- und bei Alkohol inzwischen auch PEth-Blutuntersuchungen.

Viele meiner Klienten sind überrascht, wie viel strenger ein CTU-konformes Programm ist als das, was sie sich unter "ein paar Bluttests beim Hausarzt" vorgestellt haben. Genau dieses Missverständnis führt immer wieder dazu, dass Nachweise, die eigentlich gut gemeint waren, am Ende nicht anerkannt werden.

Kurz erklärt: Ein Abstinenzkontrollprogramm kann je nach Substanz und persönlicher Situation aus unangekündigten Urinkontrollen, wiederholten Haaranalysen oder – bei Alkohol – aus PEth-Blutkontrollen bestehen. In jedem Fall gilt: Nur ein Programm, das die CTU-Anforderungen lückenlos erfüllt, gilt als anerkannter Abstinenznachweis.

Warum reicht ein einzelner Test nicht aus?

Ein einzelner Labortermin, und sei er noch so unauffällig, sagt nur etwas über ein sehr kurzes Zeitfenster aus. Für die MPU zählt aber, ob Sie über einen längeren, zusammenhängenden Zeitraum tatsächlich durchgehend abstinent gelebt haben. Deshalb verlangen die anerkannten Kriterien ein Programm mit mehreren Terminen, die über den gesamten Zeitraum verteilt sind und deren Ergebnis erst in der Gesamtschau ausgewertet wird.

Die zentralen Bausteine eines Urin-Kontrollprogramms

Bei Alkohol lässt sich der Abstinenznachweis über Urinkontrollen, über wiederholte Haaranalysen oder über ein Kontrollprogramm mit PEth-Blutanalysen führen. Am häufigsten läuft er über Urinkontrollen, deshalb schaue ich mir dieses Verfahren hier im Detail an; die Grundprinzipien unangekündigter Kontrollen und lückenloser Dokumentation gelten aber für alle drei Verfahren gleichermaßen.

Was ein anerkanntes Kontrollprogramm ausmacht

Die wichtigsten Anforderungen im Überblick

  • Ausreichend viele Kontrolltermine: Je nach individueller Vorgeschichte und MPU-Fragestellung sind unterschiedliche Nachweiszeiträume vorgesehen: Bei 6 Monaten in der Regel mindestens 4 Urinkontrollen, bei 12 Monaten mindestens 6, bei 15 Monaten mindestens 7. Welcher Zeitraum in Ihrem Fall gilt, hängt von der individuellen Vorgeschichte und der diagnostischen Einordnung ab, nicht jeder Betroffene braucht zwingend den längsten Zeitraum. Die Termine sind über den gesamten Zeitraum verteilt, nicht auf die letzten Wochen konzentriert.
  • Unangekündigte, kurzfristige Einbestellung: Sie werden jeweils kurzfristig einbestellt, häufig etwa einen Tag vor der Probenabgabe, und müssen zum von der Kontrollstelle festgelegten Termin erscheinen. Die genaue Frist hängt vom Vertrag und organisatorischen Ablauf der jeweiligen Stelle ab. Wer sich vorher "einstellen" könnte, würde den Sinn der Kontrolle unterlaufen.
  • Abgabe unter Sichtkontrolle: Die Probe wird nicht einfach zuhause abgegeben, sondern vor Ort bei einer dafür qualifizierten Stelle unter Aufsicht, um Manipulation auszuschließen.
  • Forensisch akkreditiertes Labor: Ausgewertet wird nur in Laboren mit anerkannter Qualitätssicherung. Beim Alkoholabstinenznachweis liegt der Entscheidungswert für den Marker EtG im Urin bei 0,1 mg/l. Ein Wert unterhalb dieses Cut-offs gilt als unauffällige Einzelprobe; erst die Gesamtheit aller regelgerecht erhobenen Kontrollen bildet den eigentlichen Abstinenzbeleg.

Bei Urinproben wird auch geprüft, ob die Probe ausreichend konzentriert und verwertbar ist. Ein auffällig niedriger Kreatininwert kann auf eine starke Verdünnung hinweisen, etwa durch übermäßiges Trinken von Wasser vor dem Termin. Wie damit umgegangen wird, hängt vom konkreten Befund, den CTU-Vorgaben und den Vertragsbedingungen der Kontrollstelle ab.

Wichtig: Unentschuldigt versäumte Termine, Manipulationsversuche oder wiederholt nicht verwertbare Proben können dazu führen, dass das Kontrollprogramm abgebrochen oder der Nachweis nicht anerkannt wird. Sie sind jedoch fachlich nicht mit einem positiven Substanzbefund gleichzusetzen, sondern ein formaler beziehungsweise methodischer Mangel. Nehmen Sie jeden Termin trotzdem ernst, auch wenn er unangenehm kurzfristig kommt.

Was bedeutet "lückenlos" konkret?

Ein lückenloser Nachweis bedeutet, dass für den gesamten geforderten Zeitraum nachvollziehbar dokumentiert ist, wann welche Kontrolle mit welchem Ergebnis stattgefunden hat, inklusive eventueller Abweichungen vom vereinbarten Ablauf. Am Ende des Programms erstellt die durchführende Stelle einen zusammenfassenden Bericht über die gesamte Kontrollzeit, nicht nur über die einzelnen Befunde. Genau dieser Abschlussbericht ist es, den Sie zur MPU mitbringen.

Der vertraglich vereinbarte Kontrollzeitraum muss vollständig und regelkonform durchgeführt werden. Ein Kontrollprogramm deckt dabei ohnehin nicht jeden einzelnen Kalendertag unmittelbar analytisch ab; seine Aussagekraft beruht auf der unangekündigten, zufälligen Verteilung der Kontrollen und der regelkonformen Gesamtorganisation. Zulässige und rechtzeitig gemeldete Abwesenheiten, etwa durch Urlaub, Krankheit oder dienstliche Termine, können unter bestimmten Voraussetzungen berücksichtigt werden, müssen aber entsprechend den Vertragsbedingungen der Kontrollstelle rechtzeitig gemeldet und dokumentiert werden. Unentschuldigte Fehltermine oder Überschreitungen der zulässigen Abwesenheitszeiten können dagegen die Anerkennung des gesamten Programms gefährden.

Unterschied zu "einfachen" Abstinenzbelegen

Ein Attest des Hausarztes ("Patient wirkt nüchtern"), einzelne Leberwerte oder ein selbst organisierter, angekündigter Bluttest erfüllen die Anforderungen an einen mehrmonatigen Abstinenznachweis nicht: Es fehlt die Unangekündigtheit, die kontrollierte Probenentnahme und häufig auch die forensische Akkreditierung des auswertenden Labors. Bei Alkohol kann dagegen inzwischen auch ein regelgerecht organisiertes Kontrollprogramm mit PEth-Blutanalysen als Abstinenzbeleg anerkannt werden, das inzwischen von größeren Begutachtungsstellen angeboten wird. Entscheidend sind auch hier die vorgeschriebene Einbestellung, Identitätskontrolle, fachgerechte Probenentnahme, forensische Analytik und lückenlose Dokumentation.

Wenn für Ihre positive Fahreignungsprognose ein belegter Substanzverzicht erforderlich ist, sollte dieser also ausschließlich durch ein anerkanntes, CTU-konformes Verfahren dokumentiert werden, ganz gleich ob über Urin, Haar oder Blut. Ob und in welchem Umfang bei Ihnen überhaupt ein Abstinenznachweis nötig ist, hängt von Ihrer individuellen Vorgeschichte und der MPU-Fragestellung ab; die Unterschiede zwischen Haar- und Urinverfahren erkläre ich in meinem Artikel Haaranalyse oder Urinscreening.

Gute Nachricht: Wer sich früh genug informiert und die Termine ernst nimmt, hat mit einem CTU-konformen Programm in aller Regel keine Probleme. Die meisten Schwierigkeiten entstehen nicht durch die Kontrollen selbst, sondern durch verpasste Termine oder eine zu spät begonnene Planung.

Ich helfe Ihnen, Ihr Kontrollprogramm richtig aufzusetzen

Im kostenlosen Erstgespräch erkläre ich Ihnen, welche Stelle in Ihrer Nähe CTU-konforme Kontrollen anbietet und wie Sie Ihren Nachweis lückenlos aufbauen.

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Eva-Maria Merkel
Eva-Maria Merkel, Psychologin
Psychologin, Karlsruhe

Ich begleite Klienten von der ersten Planung ihres Abstinenznachweises bis zur MPU. Ein fachgerecht geplanter Abstinenznachweis kann ein wichtiger Bestandteil einer positiven Fahreignungsprognose sein. Entscheidend ist darüber hinaus die nachvollziehbare und stabile Veränderung des früheren Konsumverhaltens.